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... längst abgebaut ...

Schön war’s - zu sehen war’s bis zum 1. November 2017

Plakat_mittel

geteiltes Land - geteilte Untertanen

Eine unsichtbare Grenze ging mitten durch die Stadt. Oettingen war jahrhundertelang geteilt, auf einer Seite Katholiken, auf der anderen Protestanten. Heute unvorstellbar, was das für die Einwohner bedeutete! Der gesamte Alltag war dadurch bestimmt. Die Bikonfessionalität prägte die Mentalität und kennzeichnete das Leben auch in anderen Rieser Gemeinden.

Die Ausstellung greift Aspekte des Zusammenlebens auf und thematisiert am regionalen Beispiel „Katholisches“ und „Evangelisches“ sowie den Wandel durch die Jahrhunderte. Gehörtes und Erzähltes zum konfessionellen Mit- oder Gegeneinander wird dokumentiert.

 

Vor über 500 Jahren wurde Oettingen zwischen zwei Linien der Grafen zu Oettingen aufgeteilt: Als 1539 die Linie Oettingen-Oettingen in ihrem Grafschaftsteil die Reformation durchführte, wurden ihre Untertanen „lutherisch“.

Während sich reichsweit konfessionelle Konflikte militärisch abspielten, lebten bei uns zwei weitgehend getrennte soziale Gruppen nebeneinander.

Dass die ansässigen Juden jeweils der „katholischen“ oder der „evangelischen“ Herrschaftsseite zugerechnet wurden, galt schon im 18. Jh. als Kuriosität.

Eine Installation veranschaulicht diese Teilung, die herrschaftliche und die kirchliche. Auf Teller, die auf einem Tisch davor platziert sind, ist zu erfassen, was an Trennendem im Leben der Oettinger wie lange Bestand hatte oder noch hat.

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geteilte Heilige – getrennte Kirchen

Für die „neuen Zeremonien und Gottesdienste“ diente die St. Jakobskirche, die Wallfahrtskirche St. Sebastian wurde katholische Pfarrkirche. Beide Gemeinden grenzten sich zunehmend ab, man teilte „die Heiligen“ (sprich die Einnahmen) und führte Buch über die Gemeindemitglieder bzw. die Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen.

Einerseits entwickelte sich die „Evangelische Oettingische Landeskirche“ mit eigenen Gesangbüchern und Ordnungen bis sie 1809 als Dekanat Oettingen der neuen Evangelischen Bayerischen Landeskirche einverleibt wurde.

Andererseits betreuten von 1643 bis zur Ordensauflösung Jesuiten die katholische Pfarrei als „Mission“. Sie setzten mit Prozessionen und der Sebastianswallfahrt deutliche äußere Zeichen.

 

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Fronleichnam, um 1910

Einerseits Feiertag mit Kirchgang und feierlichster Prozession, anderseits Werktag mit Alltagsgeschäften wie Putzen oder gar Mistfahren!

getrenntes Miteinander

„…ist die Toleranz zwischen Katholiken, Protestanten und Juden als sehr ruhmes- und lobenswert zu bezeichnen, zumal auch in hiesiger Stadt, in welcher alle diese Religionsparteien in ungestörter Eintracht leben.“ hieß es im 19. Jahrhundert. Das Zusammenleben hatte sich über Jahrhunderte in schwierigen Auseinandersetzungen eingespielt. Schulen, Kirchen und Häuser waren klar geschieden, bis 1700 sogar die Kalender. Im Alltag regelte ein ausgeklügeltes paritätisches System die Besetzung von Ämtern und Diensten. Nicht nur Nachtwächter, Hebammen oder Musiker gab es jeweils katholisch und evangelisch. Für den inneren Frieden sorgten nicht zuletzt obrigkeitliche Maßnahmen, das Diskutieren über Religion in den Wirtshäusern war verboten! Manch Trennendes überlebte lange. Mancher spöttelte „Turnst du evangelisch?“, aber erst 1968 wurde bayernweit per Volksentscheid die christliche Gemeinschaftsschule eingeführt.

unseresgleichen - auf einen Blick?

Nicht nur beim Kirchgang war zu sehen, wer wohin gehörte. Der Weihwasserkessel im Haus, das Spruchbild an der Wand, selbst die ländliche Kleidung zeigten die Konfessionszugehörigkeit. Wer trug wohl rote Socken?

Ein Mädchen wusste, mit welchem Burschen sie einen Tanz wagen konnte - gemischt konfessionelle Verbindungen hatten mit großen Hindernissen zu kämpfen.

Abgrenzung war wichtig und für neu Hinzukommende nur mühsam zu erlernen. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde eine Pfarrersgattin belehrt, dass sie im falschen weil katholischen Laden eingekauft hätte… 

 

Tracht_um1850

einfach typisch?

Was mag ein Oettinger wohl gehalten haben vom Glauben seines Nachbarn, von den großen theologischen Diskussionen? Manches ist noch zu hören an Vorstellungen über die jeweils anderen: Katholisch bedeute, es lockerer, prunkvoller zu lieben, während das Protestantische weniger farbenfroh und streng sei.

Dass manches Urteil ein Vorurteil ist, belegt der Oettinger Marktplatz. Dort stehen sich die ehemaligen Fronten gegenüber: Fachwerk auf der Westseite, Barockgiebel auf der Ostseite. Hinter den barocken Fassaden wohnten die vermeintlich so asketischen Protestanten, die sprichwörtliche barocke Lebensfreude der Katholiken verschanzte sich hinter Fachwerk! Typisch?

Viele Erfahrungen und Meinungen konnten wir während der Ausstellung sammeln, viele besucher konnten etwas erzählen. manch eine/einer ergänzte unsere Wand mit “Vorurteilen” und gab Antoß zu Diskussionen. 

 

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ÖFFNUNGSZEITEN: Mittwoch bis Sonntag (und alle Feiertage) 14 - 17 Uhr - und jederzeit nach Vereinbarung

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zuletzt aktualisiert
20.11.2017