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ALLES IN MILCH UND BUTTER

Titel1

Die Milchsupp‘ der Urgroßmutter, die Scheibe Brot mit „guter Butter“ als Höhepunkt der Woche -  allein die Aufzählung von Konsum und Verwendung von Milchprodukten lässt unterschiedlichste Erinnerungen wach werden.
„Aber bitte mit Sahne!“ charakterisiert die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 1960er Jahren. Eine Waffel mit Schlagsahne, für 10 Pfennig in der Oettinger Molkerei erstanden, war für die meisten Kinder der höchste Wohlgenuss!
In den Jahren davor war schon der Erwerb von Vollmilch oft schwer, von Rahm oder Butter ganz zu schweigen, selbst wenn man über die notwendigen Marken verfügte. Kein Wunder, wenn ein Junge in der Nachkriegszeit den Milchmann nur als „Onkel Magermilch“ kannte.

Wie anders lief die Milchversorgung vor 100 Jahren: Wer nicht selbst eine Kuh oder Ziege hatte, holte Milch bei einem der Nachbarn. Denn alle paar Häuser hatte jemand ein oder zwei Kühe. In der Stadt Oettingen waren es um 1920 insgesamt 370 Kühe. Der städtische Viehhirte trieb sie auf die Weide.
Die Milch wurde selbst verbraucht und verarbeitet bzw. direkt an die Stammkunden verkauft. Täglich einen Liter Milch ließen sich oft Altsitzer bei der Hofübergabe vertraglich zuschreiben, zur Weiterverarbeitung und zur Milchsupp‘ am Morgen. Die war mit „Eingebrocktem“ lange Standard und wurde nur zögerlich durch den Milchkaffe (ebenfalls mit Eingebrocktem) ersetzt.

Erst allmählich etablierten sich bei uns  Molkereien und Sammelstellen. Zahlreiche hölzerne Butterfässchen wanderten ins Heimatmuseum, als gesetzliche Hygienestandards  deren Gebrauch für gewerbliche Zwecke unmöglich machten.

 

1929 gründeten hiesige Landwirte die Genossenschaftsmolkerei Oettingen. Ziel war „die vorteilhafte Verwertung der in der Wirtschaft der Mitglieder gewonnenen Milch“.

Wie in vielen Nachbargemeinden schon üblich organisierte man gemeinschaftlich das Milchfahren, die Milchgeldauszahlung und die Verarbeitung in einer Molkerei. Der Betrieb siedelte sich in der Hexengasse an. Moderne Kühlanlagen und ausgebildetes Fachpersonal sollte gleichbleibende Qualität garantieren. Ab 1934 wurde zusätzlich zu Milchausgabestellen in der Stadt ein Laden eingerichtet.  Die Versorgung frei Haus kam 1950: Der Milchmann mit seinem Gefährt war drei Jahrzehnte lang ein vertrauter Anblick in den Oettinger Straßen. 1976 galt die Molkerei als „siech“ und die Mitglieder votierten für die Auflösung der Genossenschaft. 1979 war der Betrieb geschlossen, die Stadt errichtete auf dem Gelände Parkplätze.

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Oettingen hatte sogar eine „Camembertindustrie“! Der gebürtige Schweizer Robert Müller richtete 1915 im  Gasthof zur Gans eine „Camembert- und Schlagrahmfabrik“ ein. Er stellte Limonadeessenzen und Milchprodukte her, allerdings nur einige Jahre. Auch wegen der schwierigen Zeitumstände, schließlich erschwerten Kriegswirtschaft und Wirtschaftskrise die geschäftliche Entwicklung, konzentrierte sich die Familie nach 1930 wieder auf den Gastwirtschaftsbetrieb, dem sie ein Kino angliederte.

Milchkanne

Allzu lange ist es nicht her, dass  an den Straßenrändern Milchbänkchen standen und Milchkanne, Zentrifuge, Butterrührglas , Milchablieferungskarte oder Melkeimer für viele zum  Alltag gehörten.

In unserer Ausstellung hatten wir viele Einzelobjekte zusammengetragen, vom Milchstein, der das Überlaufen verhindern sollte, bis hin zum Laborgläschen des Milchprüfers und zum historischen Pappdeckelverschluss einer Oettinger Milchflasche. Geldtasche und Bild erinnerten an den Milchmann. Gesellschaftliche Veränderungen, an Milch und Butter festgemacht!

Wir boten einiges:
Wollen Sie das Melken ausprobieren ?
Oder lieber dem Oettinger Bauern Friedrich Meier zusehen?
Mit Öko-Raben Uli eine Käserei besuchen?
Oder lieber doch Milchverpackungen kreativ umnutzen?

Wir bedanken uns bei den vielen so netten Besuchern - uns hat’s Spaß gemacht und Ihnen hoffentlich auch!

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ÖFFNUNGSZEITEN: Mittwoch bis Sonntag (und alle Feiertage) 14 - 17 Uhr - und jederzeit nach Vereinbarung

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zuletzt aktualisiert
9.3.2021

 

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